Herkunft ist ein Buch über den ersten Zufall unserer Biografie: irgendwo geboren werden. Und was danach kommt. […] Ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. […] Ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. Herkunft ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.“

Saša Stanišićs Herkunft ist ein teils autobiographisches Buch von solcher sprachlichen Kunst und Tiefe, dass sie den Leser sprachlos lassen. Herkunft ist so vieles und so ist dieses Werk, während es Herkunft gleichermaßen als Konstrukt entlarvt. Es erzählt davon, in einem Land geboren zu werden, dass es so nicht mehr gibt, von einer Stadt, in der alles anders ist, seit dem Krieg in den 90ern, einem Dorf, das wohl Heimat zu sein scheint, der Flucht über Ländergrenzen und der Ankunft in einem deutschen Dorf. Von der Ausländerbehörde, deutschen Dichtern, einer ARAL. Vom Suchen, vom Niederschreiben von Erinnerungen, eingebildeten und echten.

In poetischen Sprachspielen und Erzählfragmenten der eigenen Geschichte erschafft Stanišić ein Werk, welches im Gedächtnis bleibt und einen nachdenkend zurücklässt. In einer Gegenwart, wo Begriffe wie Heimat und Herkunft an scheinbarer Wichtigkeit gewinnen und genauso an Eindeutigkeit durch Migration und Globalisierung verlieren, Zugehörigkeit großgeschrieben wird und auch die Absprache dieser.

Herkunft wurde 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.